Marc Chagall

1887 Vitebsk - 1985 Saint-Paul-de-Vence

Marc Chagall wird am 7. Juli 1887 als ältestes von neun Kindern einer armen orthodoxen jüdischen Arbeiterfamilie im weißrussischen Witebsk geboren. 1906 schließt er die Gemeindeschule ab und wird Schüler im Atelier des Malers Jehuda Pen. Im Winter 1906/07 zieht er nach Sankt Petersburg, beginnt nach unbestandener Aufnahmeprüfung an der Kunstakademie im Frühjahr 1907 eine Ausbildung an der Schule der Kaiserlichen Gesellschaft zur Förderung der Künste. Von 1908 bis 1910 setzt er seine Ausbildung an der Schule von Elizaveta Zvantseva fort.
1910 reist Chagall nach Paris, um dort Anregungen für seine Kunst zu erhalten. Er lernt die Avantgarde-Künstler und aktuellen Kunstströmungen kennen. 1913 macht Chagall über Guillaume Apollinaire die Bekanntschaft mit dem Berliner Kunsthändler Herwarth Walden, der in seiner Berliner Galerie „Der Sturm“ im Frühjahr 1914 Chagalls erste Einzelausstellung organisiert. Nach Beendigung der Ausstellung am 13. Juni 1914 reist er zurück nach Russland, muss aber aufgrund des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs länger als geplant in der alten Heimat Witebsk bleiben. Am 25. Juli 1915 heiratet Chagall dort Bella Rosenfeld.

Begeistert von der Oktoberrevolution versucht der Künstler am revolutionären Umbruch in Russland mitzuwirken und konzipiert in Witebsk eine Kunstschule, die 1919 unter seiner Ägide eröffnet wird. Neben ihm unterrichten dort Künstler der russischen Avantgarde wie Kasimir Malewitsch, El Lissitzky und Iwan Albertowitsch Puni.

Mit seiner Familie verlässt Chagall 1920 Russland in Richtung Berlin, um dort an seine Aufbruchszeit anzuknüpfen. Die Erste Russische Kunstausstellung Berlin im Jahr 1922 zeigt mehrere seiner Gemälde.
Im Auftrag des Berliner Kunsthändlers Paul Cassirer beginnt Chagall 1922 mit Radierungen zu einer Buchausgabe von „Mein Leben“. Am 1. September 1923 siedelt Chagall mit seiner Familie nach Paris um. Dort lernt er den Pariser Verleger Ambroise Vollard kennen, welcher ihn beauftragt, „Die toten Seelen“ von Nikolai Gogol zu illustrieren. Es beginnt nun eine sehr produktive Periode. Bis 1927 fertigt Chagall 96 Radierungen zu dieser Ausgabe an, die erst 1948 erscheint. 1925 erhält Chagall von Vollard einen weiteren Auftrag für die Illustration der Fabeln von Jean de La Fontaine. Von 1928 bis 1931 ist der Künstler mit den entsprechenden Radierungen beschäftigt. Ein Vertrag mit dem Kunsthändler Bernheim befreit Chagall und seine Familie von allen finanziellen Sorgen. Nachdem Vollard Chagall 1930 vorgeschlagen hat, Illustrationen zur Bibel anzufertigen, reist dieser 1931 nach Palästina, um sich vor Ort mit den Landschaften der biblischen Welt vertraut zu machen. Insgesamt arbeitet Chagall von 1931 bis 1939 und von 1952 bis 1956 an den Bibel-Motiven.

Während eines Aufenthalts in Marseille wird Chagall 1941 bei einer Polizeirazzia festgenommen. Die drohende Auslieferung an die Deutschen konnte durch Intervention der USA knapp verhindert werden. Die Einladung des „Museum of Modern Art“ ermöglicht es ihm und seiner Familie aus Frankreich aus- und per Schiff nach Amerika einzureisen.
In New York trifft er die Künstler Breton, Léger, Mondrian und Masson wieder, die schon vor ihm emigriert waren. Seine Frau Bella, die ihn wie auch seine Tochter zu vielen Bildern inspiriert hatte, stirbt am 2. September 1944 an einem Virusinfekt.
Nach einer langen Depression und einer Malunfähigkeit, beginnt er eine Beziehung zu seiner 28 Jahre jüngeren Haushälterin Virginia, mit der er zusammen einen Sohn hat. Erst 1945 beginnt Chagall allmählich wieder zu malen. Ein häufiges Motiv ist das der Braut. In den Jahren danach geht er wieder zurück nach Paris und lässt sich im Sommer 1948 gemeinsam mit den Kindern endgültig in Frankreich nieder.

Am 28. März 1985, starb Marc Chagall im Alter von 97 Jahren in Saint-Paul-de-Vence.

Das familiäre Umfeld, sein Heimatort Witebsk, Motive aus der Bibel sowie aus dem Zirkus sind Hauptthemen seiner Bilder. Chagall gilt als einer der bedeutendsten Maler des 20. Jahrhunderts. Er wird oft dem Expressionismus zugeordnet und als „Maler-Poet“ bezeichnet.